Menschsein hört mit
dem Tod nicht auf

Geschichten, die der Abschied schrieb

Frau K. war eine sehr gepflegte Dame, die einen Tag nach ihrem Tod einen Termin beim Frisör gehabt hätte. Die Töchter legten ihr im Sarg noch eine Dauerwelle, damit sie in gewohnter Weise ihren „letzten Weg“ gehen kann.

 

Das Baby der Familie K. starb am Ende der Schwangerschaft. Die Eltern massierten es liebevoll mit Rosenöl und betteten es in Rosenblüten. Bei der Trauerfeier verlas die Rednerin einen Brief der Eltern an ihr Kind.

 

Herr O. starb 50-jährig sehr plötzlich. Wir feierten die Trauerfeier an seinem Geburtstag mit Kaffee und Kuchen um den Sarg. Am Ende der Feier stellte eine Freundin ein gefülltes Schnapsglas vor das Bild auf seinem Sarg. Alle Gäste kamen und stießen mit ihm an.

 

Frau E. sammelte Engel. Zum Abschied bekam jeder Trauergast einen Engel aus Ihrer Sammlung.

 

Herr H. nahm sich das Leben. Die Familie und die Freund/-innen hatten noch so viel zu sagen. Bei der Trauerfeier bekamen alle kleine Briefumschläge und Kärtchen und konnten alles zu Papier bringen und zum Sarg legen. Die Briefe wurden mit dem Sarg verbrannt.

 

Die Angehörigen von J. mochten das Geräusch der Erde nicht, wenn sie auf das Grab fällt. Der Sarg wurde im Grab erst mit Zweigen und Stroh bedeckt. Erst dann wurde das Grab mit Erde geschlossen.

 

Herr R. litt unter einer schweren Lungenkrankheit und Atemnot. Er hatte immer Angst unter die Erde zu müssen. Seine Asche wurde vom Heißluftballon aus verstreut.

 

Frau R. hing sehr an ihrem Hund. Die Freundinnen legten ein Foto des Hundes und das Hundehalsband mit in die Urne.

 

Herr H. reiste viel in der Wüste, weil ihn die Leere faszinierte. Bei der Trauerfeier gab es keinen Blumenschmuck, nur den Sarg mit einer roten Rose der Ehefrau.

 

Frau L.’s letzte Worte waren: „Ich werde auf einer Blumenwiese sitzen und auf Euch warten“. Bei der Trauerfeier bestand die Dekoration nur aus lebenden Frühlingsblumen in Töpfen, die von den Trauergästen anschließend mit nach Hause genommen wurden.

 

Für Herrn T. schrieben die Kinder Psalmen in den Sargdeckel, damit er von Gottes guten Worten umhüllt sei.

 

Herr N. feierte gerne ausgiebig mit seinen Freund/-innen Gartenfeste. Die Trauerfeier fand im Garten unter einem großen Baum statt. Nachdem der Sarg vom Grundstück getragen worden war, wurde das Bierfass angestochen.

 

Frau L. malte wunderschöne Bilder. Aus einem Bild wurden die Trauerkarten gestaltet.

 

Herr H. starb obdachlos und ohne Angehörige. Da er sein Leben lang gerne trank, bekam er ein „Sixpack“ Bier und einige Flaschen „Kümmerling“ mit ins Grab.

 

Die Tochter von Frau G. hat ihre Mutter nach dem Tod wie ein Kind auf den Arm genommen und im Sarg gebettet. Sie hat sie mit einem Federbett zugedeckt und bis zur Nasenspitze liebevoll eingekuschelt.

 

Herr H. hatte ein ganz persönliches Symbol. Es wurde auf den Sarg gemalt, es zierte die Kondolenzlisten und schmückt seinen Grabstein.

 

Herr H. blies seinem Freund am Grab auf dem Jagdhorn einen Abschiedsgruß.

 

Frau M. liebte es, mit einer ganz speziellen Creme lange massiert zu werden. Sie erhielt nach ihrem Tod noch eine ausgiebige Ganzkörpermassage. Alle Zeichen ihrer Krankheit verschwanden dabei.

 

Herr K. kam von einer Weltreise zurück. Er wurde in seinem Schlafsack bestattet