„Denn bitter ist schon der Tod“

Nordwest-Zeitung vom 25.04.2007, von Birte Tripke

Cordula Caspary referiert über alte und neue Bestattungsrituale

DELMENHORST – „Trauerprozesse sind sehr unterschiedlich“, sagt die Bremer Bestatterin Cordula Caspary. So unterschiedlich eben, wie auch die Menschen sind. Mal gehe es in einer Trauerfeier um die Persönlichkeit des Verstorbenen, mal um Liebe und manchmal um Schuld. Und immer geht es darum, mit Ritualen Abschied zu nehmen.

„Zwischen Luftballons und Butterkuchen – Neue und alte Bestattungsrituale“ ist der Titel eines Vortrag, den Kulturwissenschaftlerin Caspary morgen Abend um 19.30 Uhr in den Räumen des Hospizdienstes Delmenhorst, Mühlenstraße 112, hält. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe „…und der Tod nahm ein Stück Brot“, mit der der Hospizdienst dazu beitragen will, das Thema Tod ins gesellschaftliche und individuelle Bewusstsein zu heben. Dabei soll der kulturelle Aspekt von Sterben, Tod und Trauer beleuchtet werden.

„Das ist auch für uns eine Bereicherung“, sagt Hospizdienst-Mitarbeiterin Sophie Warning, „wir setzen uns ja sonst eher pflegerisch und medizinisch mit dem Thema auseinander.“ Barbara Alms, Leiterin der Städtischen Galerie und Schirmherrin des Hospizdienstes, lobte Caspary als „jemand, der neue Impulse setzt“. Trauerbegleitung neu denken und human gestalten, das sei das Interessante.

Oft habe sie erlebt, erzählt Caspary, wie der Tod zu einem Standard reduziert wurde. In ihrer Arbeit mit und für die Angehörigen und Freunde eines Verstorbenen versucht sie genau das zu vermeiden. Sie bietet Unterstützung für die Angehörigen und versucht, in Gesprächen herauszufinden, was dem Verstobenen gefallen würde. „Rituale helfen trauernden Menschen, ins Leben zurück zu finden“, sagt sie.

Dabei spielen oft Speisen eine Rolle – als Grabbeigabe oder aber auch als „Leichenschmaus“. Gibt es in Norddeutschland den „Freud- und Leidkuchen“ Butterkuchen bei Trauerfeiern, essen auch in islamischen Ländern die Gäste von Trauerfeiern vornehmlich Süßes und sprechen dabei Verse aus dem Koran. „Denn bitter ist schon der Tod“, heißt es.

Über alte, neue und ganz individuelle Trennungs- und auch Verbindungsrituale berichtet Caspary in ihrem Vortrag – aus der abendländischen und islamischen Kultur sowie aus ihren persönlichen Erfahrungen als Bestatterin.

(Quelle: http://www.nwzonline.de/delmenhorst/denn-bitter-ist-schon-der-tod_a_5,1,1066660508.html)