„Wenn ich gewusst hätte, was alles möglich ist“

Kreiszeitung vom 04.01.2014

Hospizverein hat Vortragsveranstaltung zu Trauer- und Bestattungsritualen organisiert

Harpstedt – „Wenn ich gewusst hätte, was alles möglich ist…“ Unter diesem Motto hält die Bestatterin und Kulturwissenschaftlerin Cordula Caspary aus Bremen am Mittwoch, 15. Mai  Januar, 19.30 Uhr, einen Vortrag zu Trauer- und Bestattungsritualen in der Begegnungsstätte an der Amtsfreiheit in Harpstedt, Ecke Tielingskamp. Der Hospizverein der Samtgemeinde hat die Referentin für den Abend gewinnen können. Auch der Harpstedter Bestatter Johann Hillmann wird zugegen sein. Er beantwortet gern Fragen aus der Zuhörerschaft mit lokalem Bezug. Der Eintritt ist frei.

„Rituale helfen, den vielen Eindrücken und Gefühlen einen Ausdruck zu geben. Sie können dabei unterstützen, auch im Schmerz lebendig zu bleiben, Unerledigtes zu lösen und den Tod zu akzeptieren. Die kleinen Gesten sind es, die der eigenen Ohnmacht dem Tod gegenüber entgegenwirken und tröstlich sind“, weiß Cordula Caspary aus ihrer eigenen Berufserfahrung. Auf ihrer Homepage hat sie eine ganze Reihe von teils anrührenden, teils sogar zum Schmunzeln animierenden Geschichten zusammengetragen, die „der Abschied schrieb“, um die schier unerschöpfliche Vielfalt der Bestattungsrituale  zu veranschaulichen. Da finden etwa die letzten Worte einer Frau L. Erwähnung, die da lauteten: „Ich werde auf einer Blumenwiese sitzen und auf euch warten.“ Anlässlich der Beisetzung der Dame habe die Dekoration während der Trauerfeier nur aus lebenden Frühlingsblumen in Töpfen bestanden, die von den Gästen anschließend mit nach Hause genommen worden seien. Cordula Caspary hat auch die Geschichte von Herrn H. umrissen, der viel in der Wüste umhergereist sei, „weil ihn die Leere faszinierte“. Nach seinem Tod sei deshalb im Rahmen der Trauerfeier auf Blumenschmuck verzichtet worden. Nur eine einzige rote Rose der Ehefrau habe den Sarg geschmückt.

Cordula Caspary kam 1966 in Tansania zur Welt. Sie lebt heute mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Bremen. Von 1987 bis 1996 hatte sie Kulturwissenschaften und Politologie studiert, ehe sie zwei Jahre lang in einem Bremer Bestattungsinstitut arbeitete. 1998/1999 oblag ihr die Regionalleitung des „Instituts für Trauerbegleitung und Bestattungskultur“ mit Sitz in Hamburg. 1999 machte sie sich als Bestatterin und Fachreferentin selbstständig. Cordula Caspary zählt auch zu den Mitbegründern des Bremer „Netzwerks Trauerkultur“ und hat obendrein in ihrer Wahlheimat den Arbeitskreis „In fremder Erde – Migration und Tod“ initiiert.

(Autorenkürzel: boh)

(Quelle: http://www.kreiszeitung.de/lokales/oldenburg/wenn-gewusst-haette-alles-moeglich-ist-3296884.html)